Klärendes zu meiner Bestellung zum Schulleiter
1) Warum arbeite ich als Vizebürgermeister der Stadtgemeinde Tulln zusätzlich auch noch als Lehrer beziehungsweise in Zukunft als Schulleiter.
In der Stadtgemeinde Tulln sind hauptberufliche Politiker weder vorgesehen - noch erwünscht! Deshalb üben alle Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates ihr poltisches Amt zusätzlich zu ihrem erlernten bzw. angestammten Beruf aus (außer sie sind bereits in Pension). Das hat den Vorteil, dass alle Mandatare die Sorgen und Wünsche der Menschen in ihrer eigenen Arbeitswelt live miterleben und dadurch den zu Recht viel zitierten "Kontakt zur Basis" nicht verlieren. Je mehr Berufsansichten auf diese Weise durch die Politiker im Stadtparlament repräsentiert werden, desto vielfältiger und praxisnäher ist die Basis der Entscheidungen des Gemeinderates.
Andererseits kann es sich im Regelfall auch kein Lokalpolitiker leisten, seinen Hauptjob aufzugeben, denn eine politische Laufbahn kann oft plötzlich zu Ende gehen bzw. ist bisweilen auf eine Legislaturperiode beschränkt. Eine Absicherung für Lokalpolitiker, die ihre politische Funktion verloren haben oder aufgeben, gibt es nicht - weder sind Kündigungsfristen, Entgeltfortzahlungen, Abfertigungen oder Pensionszahlungen möglich. Ein Lokalpolitiker erhält kein Gehalt sondern eine - seit März allerdings deutlich erhöhte - Aufwandsentschädigung (12mal im Jahr). Wählkämpfe müssen größtenteils aus eigener Tasche bezahlt werden. Beispielsweise hat mich der Nationalratswahlkampf 2008 (nachweislich!) 16.000 Euro sowie das Mandat gekostet (dennoch nochmals ein herzliches Danke für 6.500 Vorzugsstimmen).
2) Ist es zeitlich möglich, eine Führungsposition in der Gemeinde (wie z.B. Vizebürgermeister) sowie die Schulleiterfunktion gleichzeitig auszuüben?
Ja, davon bin ich überzeugt, da sich im Wesentlichen nur wenig an der derzeitigen bewährten Situation verändert. In der Schule gebe ich meine bisherige volle Lehrverpflichtung (inkl. Stundenvorbereitungen, Verbesserungen zu Hause etc.) auf - stattdessen übernehme ich die Managementfunktion. Ich werde im Regelfall tagsüber in der Schule sein und ab dem späteren Nachmittag bis in die späten Abendstunden zu Besprechungen in die Gemeinde bzw. zu offiziellen öffentlichen Terminen wechseln (diese sind häufig auch an Wochenenden). In der Gemeinde wird sich zeitlich gar nichts ändern, denn bereits jetzt funktioniert das System wie folgt sehr gut: Von der Politik haben die Impulse zur Steuerung der Gemeinde auszugehen, während für die Umsetzung der Vorgaben ein hochqualifizierter Mitarbeiterstab im Verwaltungsdienst - mit einem Stadtamtsdirektor an der Spitze - zur Verfügung steht (die Verantwortung für die erfolgreiche Umsetzung liegt jedoch wieder bei der Politik).
Damit alle Kollegen des Gemeinderates neben ihrem Beruf Zeit für die Gemeindetermine haben, finden sämtliche Ausschussberatungen sowie Sitzungen des Gemeinde- und Stadtrates am Abend statt. Immer wieder notwendige Fachbesprechungen während des Tages können nur nach Maßgabe freier Termine der zuständigen Mandatare vereinbart werden. Zusätzlich findet jeden Dienstag (von 8.30 bis 11.00 Uhr) und Donnerstag (zw. 17.30 bis 19.30 Uhr) ein Jourfix statt an dem der Bürgermeister, Vizebürgermeister, Planungsstadtrat sowie Stadtamtsdirektor und Abteilungsleiter teilnehmen.
3) Der Schulerhalter der HAK/HAS Tulln ist die Stadtgemeinde. Wäre ich in meiner Doppelrolle als Schulleiter und Vizebürgermeister mein eigener Chef?
Nein, die Stadtgemeinde ist zwar für die Ausrüstung der Schule zuständig, nicht jedoch für die Lehrer und für den Direktor (dieser wird in letzter Konsequenz von der Frau Bundesministerin bestellt). Ich erhalte als Schulleiter mein Gehalt vom Bund und nicht von der Gemeinde. Ich bin gegenüber dem Landesschulrat für NÖ sowie gegenüber dem Unterrichtsministerium weisungsgebunden.
4) Wie wird überprüft, dass ich als Finanzstadtrat die HAK/HAS gegenüber den anderen Tullner Schulen hinsichtich der Ausstattung nicht bevorzugen werde?
Größere Neuanschaffungen bedürfen der Zustimmung des Stadt- bzw. Gemeinderates und unterliegen dadurch automatisch einer politischen Kontrolle. Die laufende Gebarung kann vom SPÖ-angeführten Prüfungsausschuss jederzeit geprüft werden.
5) Hermann Helm, Amtsführener Präsident des LSR für NÖ, hat festgestellt, dass ich mich im Zuge des Bewerbungsverfahrens als "Bestqualifizierter herausgestellt habe" (siehe NÖN vom 15.7.2009). Wie ist es dazu gekommen?
Das Unterrichtsministerium hat die Stelle am 26. Mai 2009 öffentlich österreichweit ausgeschrieben. Für den Ausschreibungstext klicken Sie hier.
Auf Basis dieser Ausschreibung musste jeder Bewerber im Anhang zur offiziellen Bewerbung einen umfangreichen Fragebogen ausarbeiten. Für meine Bewerbungsunterlagen klicken Sie hier.
Am 1. Juli 2009 fand für alle Bewerber (insgesamt waren es vier, allesamt von der HAK/HAS Tulln) ein Hearing statt. Im Beurteilungsteam waren: Der Direktor des Landesschulrates (als Jurist), der zuständige Landesschulinspektor, der Vertreter der Landesschulratsvizepräsidentin (SPÖ) sowie jeweils ein Personalvertreter der ÖVP und der FPÖ. Die Gesprächsführung mit den Kandidaten wurde durch eine externe Personalberaterin durchgeführt. Als Zuhörer waren von der HAK/HAS Tulln anwesend: Drei Professoren sowie ein Eltern- und Schülervertreter. Das Hearing besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil haben die Bewerber die Gelegenheit zur Selbstpräsentation der Motive und Ziele ihrer Bewerbung (dabei dürfen mitgebrachte Stichwortzettel verwendet werden). Im zweiten Teil müssen die Bewerber erklären, wie sie in verschiedenen herausfordernden Situationen als Schulleiter agieren würden (diese Fragen bzw. Situationen sind in mehreren verschlossenen Kuverts vorbereitet und müssen von den Bewerbern gezogen werden).
6) In einem Zeitungsartikel vom 15.7.2009 steht - ohne Angabe der Quelle - ein Zitat wonach "sich die Lehrer mehrheitlich gegen Eisenschenk ausgesprochen" hätten.
Diese Behauptung ist falsch!
7) Die wichtigste Frage ausnahmsweise zum Schluss: Was waren die Motive meiner Bewerbung?



