Radhauptstadt Tulln

03. Sep. 2007

Der Anteil der umweltfreundlichen Wege zu Fuß, per Fahrrad oder per Öffentliche Verkehrsmittel ist in der Stadt Tulln in den letzten vier Jahren von 54 % auf 61 % gestiegen. Das ist das Ergebnis zahlreicher bewusstseinsbildender Maßnahmen und Investitionen vor allem in die Radinfrastruktur der Blumenstadt (siehe auch Rad-Leitsystem)

Vier Jahre lang hat die Stadtgemeinde Tulln im Projekt „Verkehrsparen Wienerwald“ zahlreiche bewusstseinsbildende und infrastrukturelle Maßnahmen gesetzt, um die Tullner Bürger zu motivieren, bei Kurzstrecken im Ort auf das Auto zu verzichten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Tulln kann sich aufgrund der Spitzenwerte getrost mit dem Titel „Radhauptstadt Tulln“ schmücken. Waren 2003 noch 46% aller Verkehrsteilnehmer mit dem PKW unterwegs, so reduzierte sich dieser Anteil am Gesamtverkehr bis 2006 auf 39%. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil der umweltfreundlichen Mobilität zu Fuß, per Fahrrad oder Öffentliche Verkehrsmittel von 54% auf 61%. Das ergab die Projektevaluierung durch das Büro für Verkehrsplanung Herry Consult.

5,57 Mio. Euro Investitionen in die Radinfrastruktur bis 2010

Besonders die Steigerung des Tullner Radanteils von 10% auf 16% ist ein einmaliger Spitzenwert im gesamten Wienerwald, der sich positiv auf das Gesamtergebnis der Region auswirkte. Jeder einzelne Tullner Radfahrer hat wesentlich dazu beigetragen, dass im Wienerwald 16 Mio. PKW-Kilometer pro Jahr eingespart wurden, was einem Umwelteffekt von rund 2.700 Tonnen CO2 pro Jahr entspricht.“

Um die umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Fortbewegungsarten immer mehr Tullnerinnen und Tullnern aller Altersklassen schmackhaft zu machen, wurde Einiges investiert: knapp € 3,6 Mio. seit 2000 in den Ausbau und die Beschilderung von 34 Kilometer Fußwege sowie Radwege/-routen mit Unterführungen. Bis 2010 ist der weitere Ausbau der Radwege/-routen in die Katastralgemeinden geplant: Kostenpunkt ca. € 1,97 Mio. Bis zum Frühjahr 2008 soll der Radweg nach Trübensee/Neuaigen fertiggestellt sein. Die Park & Ride-Anlage beim Tullner Hauptbahnhof ist mit 300 Fahrradstellplätzen ausgestattet. Mit gutem Grund, da bereits in der Pendlerstatistik Austria 2001 Tulln mit einem Rad-Pendleranteil von 23 % auf gutem 5. Platz liegt.

Jährlich 99.000 Euro Förderungen für nachhaltige, umweltschonende Mobilität

Jeder zweite Autoweg in Österreich ist kürzer als fünf Kilometer. Mit dem Rad ist diese Distanz in durchschnittlich 20 Minuten zu bewältigen. Natürlich gibt es Gründe, warum bei manchen Kurzstrecken auch das Auto favorisiert wird: beispielsweise beim Einkauf, wenn man mit Kleinkindern unterwegs ist, wenn man zu Fuß nicht mehr so fit ist.

Die Stadtgemeinde Tulln hat sich auch für diese Fälle etwas überlegt. So wird die Anschaffung von Radanhängern, mit denen sowohl Kinder als auch der Einkauf transportiert werden können, mit 25% gefördert. Die Antragsformulare liegen beim Bürgerservice im Rathaus auf. Wird dieses ausgefüllt und mit einer Kopie des Zahlungsbelegs abgegeben, werden pro Fahrradanhänger bis zu 100 Euro refundiert.

Auch Erledigungen in der Einkaufsstadt Tulln können – von der Stadtgemeinde Tulln gefördert - ohne Auto und Parkplatzsorgen getätigt werden. Sämtliche Buslinien in Tulln und jene aus den acht Katastralgemeinden fahren um den seit vielen Jahren geförderten Ortstarif von 0,70 Euro. In der Stadt kann man sich bei vier Radhäusern (2rad-Wegl, Voch Radsport, Herberge Alpenverein und Donaupark Camping) gratis ein „ZweiRad FreiRad“ ausleihen. Selbst die Service-Kosten für die Gratisräder übernimmt die Gemeinde.

In Zusammenarbeit mit Königstetten wird ein Anruf-Sammel-Taxi angeboten. Dabei handelt es sich um ein öffentliches Beförderungsmittel, das so bequem wie ein Taxi und viel flexibler als ein Bus ist. Die Fahrgäste werden nach einem Anruf unter der Telefonnummer 02272/82 000 aus einem dichten Haltestellennetz abgeholt und innerhalb der Stadt Tulln, zwischen der Stadt und den Katastralgemeinden Mollersdorf, Neuaigen, Trübensee, Langenlebarn, Nitzing, Frauenhofen, Staasdorf und Klein Staasdorf z. B. direkt vor die Haustür gebracht. Die gestützten Tarife liegen – je nach Anzahl der Fahrgäste und Tageszeit – zwischen 1,50 Euro und 4,40 Euro.

Das Gesamtfördervolumen für nachhaltige, umweltschonende Mobilität seitens der Stadtgemeinde Tulln liegen pro Jahr bei ca. 99.000 Euro (90.000 Euro für AST, 6.600 Euro für den geförderten Bustarif, 1.400 Euro für die Wartung der Gratisräder, 1.000 Euro für Fahrradanhänger).

Tullner Radtag als bewusstseinsbildende Maßnahme

Jedes Jahr finden eine Reihe von Aktionen statt, um der Tullner Bevölkerung das Rad als umweltbewusstes Fortbewegungsmittel in Erinnerung zu rufen: z.B. die Mobilitätswoche, in der Schüler „Grüne Meilen“ für gesunde Schulwege zu Fuß oder per Rad, Bus oder Bahn sammeln können, die Aktion „König Fußgänger“, wo für Fußgänger der rote Teppich ausgerollt wird und Reflektoren-Armbänder als Belohnung winken oder die „Radblitz-Aktion“, bei der im Sommer und Winter auf im Stadtgebiet fotografierte Radler Äpfel, Gutscheine oder Fahrradhelme warten.

Eine der bekanntesten und beliebtesten Aktionen ist der traditionelle Radtag. Geschützt durch die Polizei und einem eigenen Ordnerdienst gehören die Straßen im Tullner Zentrum, rund um die Stadt sowie die beiden Donaubrücken den Radlern und Street Skatern. Am Ende der 14,5 Kilometer langen Strecke wartet heuer ein besonderes Ziel: das Gelände der niederösterreichischen Landesgartenschau „garten tulln“, die im kommenden März eröffnet wird. Für die Teilnahme an der Volkssport-Veranstaltung, bei der keine Zeitnehmung und keine Wertklassen die Genussradler unter Stress setzen, ist weder ein Startgeld noch eine Anmeldung notwendig. Die Teilnehmerzahl variiert – je nach Wettersituation – zwischen 100 und 500 Personen aller Altersklassen.

Kurier-Artikel über die Radfahrtauglichkeit der Stadt